von Franz-Manfred Schüngel
In den Anfängen der Fotografie (1839) wurden vielfach einfache
Linsen
benutzt, die aufgrund ihrer zahlreichen
Abbildungsfehler
nur eine bescheidene Bildschärfe ermöglichten. Schon in dieser
Zeit wurde daher mit verschiedenen Konstruktionen experimentiert. Mithilfe
eines Meniskus (konkavkonvexe Linse), deren konkave
Seite dem Objekt zugekehrt war, konnte ein deutlich grösserer Bildkreis
ausgezeichnet werden. Diese Konstruktion wurde auch durch zwei verkittete
Linsen achromatisch ausgeführt und hatte unter der Bezeichnung "französische
Landschaftslinse" lange eine grosse Bedeutung; in der Version des Frontars
fand es sich auch viel später noch bei einfachen Kameras. Das nach
seinem Konstrukteur benannte Petzval-Objektiv bestand dagegen schon
aus zwei Linsenpaaren, die einen recht grossen Abstand hatten. Es war um
1840 das erste Objektiv, zu dessen Konstruktion Berechnungen angestellt
wurden und war bei einer hohen Lichtstärke von 1:3.4 weitgehend frei
von Öffnungsfehlern und Koma. Wegen der deutlichen Bildfeldwölbung
war der nutzbare Bildwinkel bei hervorragender Schärfe auf etwa 20°
beschränkt; das Petzval-Objektiv war damit für lange Zeit das
beliebteste Objektiv für die Porträtfotografie.
Bei allen Grafiken auf dieser Seite ist die Objektseite links, der Querstrich
auf der optischen Achse bezeichnet die Blendenlage. Firmen- und Handelsbezeichnungen
sind geschützt.
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| Landschaftslinse |
Frontar |
Petzval-Objektiv |
Ebenfalls recht früh wurden die Vorteile eines symmetrischen Aufbaus
erkannt, da Verzeichnung und Koma bei mittiger Blendenlage nicht auftreten.
Das von Steinheil 1865 konstruierte Periskop kann als erster Vorläufer
gelten, er führte auch wenige Jahre später die Einzelglieder
wiederum achromatisch aus und konstruierte den Aplanat, in dem auch
Öffnungs- und Farbfehler in den einzelnen Gliedern korrigiert sind.
Eine Besonderheit unter diesen recht einfachen Konstruktionen ist das Hypergon.
Durch zwei Menisken mit gleicher Flächenkrümmung (Hoeghsche Menisken)
liess sich für einen sehr grossen Bildwinkel von 135° eine hinreichende
Bildfeldebnung erreichen. Aufgrund der fehlenden sphärischen und chromatischen
Korrektur war dieses erste Weitwinkelobjektiv auf kleine Öffnungen
beschränkt.
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Periskop
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Aplanat
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Hypergon
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Grundlegend für die modernen Fotoobjektive wurden Konstruktionen,
bei denen der Astigmatismus so weit korrigiert
ist, dass das Bildfeld in einem weiten Bereich geebnet ist. Diese Objektive
bezeichnet man zusammenfassend als Anastigmate. Im einfachsten Fall
lässt sich die anastigmatische Ebnung durch eine entsprechende Wahl
der Linsenform erreichen, wie dies beim Hoeghschen Meniskus der Fall ist.
Weitere Anastigmate lassen sich in drei Gruppen gliedern: Den Doppelanastigmaten,
den Gauss-Typ und das Triplet.
Der Doppelanastigmat ist völlig oder fast symmetrisch,
sodass Koma, chromatische Fehler und Verzeichnung nicht nennenswert auftreten
und die Linsenform für die Bildfeldebnung optimiert werden kann. Die
Objektive haben ausgezeichnete Schärfe bei eher geringer Lichtstärke
und werden beispielsweise für Architekturaufnahmen und Reproduktionen
eingesetzt.
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| Dagor |
Symmar 5.6/150 mm |
Apo-Ronar 9/300 mm |
Unter dem Gauss-Typ versteht man die symmetrische Anordnung zweier
Elemente, die auf K. F. Gauss zurückgehen und chromatisch besonders
korrigiert sind. Die Konstruktion erlaubt grosse Öffnungen (hohe Lichtstärke)
und ist die Basis einer Vielzahl moderner Objektive, wobei die symmetrische
Anordnung häufig verlassen wird.
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| Biotar 2/58 mm |
Summar 2/50 mm |
Planar 2.8/80 mm |
Das Triplet ist erstmalig 1894 von H. D. Taylor beschrieben worden
und besteht aus drei freistehenden Linsen, wobei die beiden ersten kombiniert
eine sehr lange Brennweite ergeben und die dritte in grösserem Abstand
steht. Koma und Astigmatismus sind erstaunlich gut korrigiert. Sein einfacher
Aufbau liess es zur Basis vieler moderner Objektive werden, wobei einzelne
Linsen oft durch Linsengruppen ersetzt wurden.
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| Triplet |
Tessar 3.5/50 mm |
Sonnar 2/50 mm |
Bei der Objektivkonstruktion gibt es neben Variationen in der
Konstruktion (Typ, Linsenzahl, Glassorten) noch weitere konstruktive
Besonderheiten, die noch höhere Abbildungsleistungen, kompaktere
Bauweise oder bessere Handhabung ermöglichen:
Der Zusatz Apo weist auf
apochromatische
Korrektur hin. Durch weitgehende Beseitigung des sekundären Spektrums
sind Farbfehler hochgradig korrigiert, was mit zunehmender Brennweite wichtig
wird.
Asphären sind Linsen, deren Oberfläche nicht einer
Kugeloberfläche (sphärische Fläche) entspricht. Sie sind
wertvoll als Korrekturglieder für die
sphärischen
Abbildungsfehler. Sie sind sehr teuer in der Herstellung, wenn sie
aus Glas geschliffen werden und kommen daher nur bei hochwertigen Objektiven
zum Einsatz. Aus Kunststoff sind sie billiger zu fertigen. Wenn keine optische
Abbildungsleistung erforderlich ist, wie bei Kondensorlinsen für Diaprojektoren
oder Leuchttürme, kommen auch Presslinge aus Glas zum Einsatz.
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| Tamron 2.8-4/17-35 mm. Element mit anomaler Teildispersion
(dunkler), asphärische Linsen (grün) und Innenfokussierung |
Floating elements sind ein mechanisches Konstruktionsmerkmal, bei
dem eine Linsengruppe (das floating element) relativ zu den restlichen
Linsen bei der Scharfeinstellung nichtlinear bewegt wird. Dadurch wird
eine bessere Korrektur im Nahbereich ermöglicht. Sie sind häufig
bei hochwertigen Weitwinkelobjektiven anzutreffen.
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| Tokina AF 3.5/17 mm AT-X mit asphärischer Linse und
Floating Element |
Gläser mit anomaler Teildispersion (UD, LD, ED ..) sind Gläser,
die bei hoher Brechung geringe Dispersion
aufweisen oder umgekehrt. Sie sind wertvoll zur Konstruktion von Korrekturgliedern
für die
chromatischen
Abbildungsfehler.
Bei der Innenfokussierung (IF) wird nicht die gesamte Optik zur
Scharfeinstellung verschoben, sondern nur eine bestimmte Linsengruppe.
Bei Spiegelobjektiven wird zur Scharfeinstellung nur der zweite Spiegel
relativ zum ersten bewegt.
Kunststofflinsen haben neben geringem Gewicht den Vorteil, dass
sie auch dann noch billig gefertigt werden können, wenn sie keine
Kugeloberfläche haben (Asphären). Der Nachteil ist die geringe
Auswahl an durchsichtigen Kunststoffen, die man an einer Hand abzählen
kann, während weit über hundert Glassorten mit unterschiedlicher
Brechung und Dispersion für die Objektivkonstruktion zur Verfügung
stehen.
Die Retrofokuskonstruktion ist eine asymmetrische Konstruktion,
bei der das Bild erst weit hinter dem Objektiv scharf abgebildet wird.
Der Abstand zwischen der letzten Linse und dem Bild (die Schnittweite)
kann dabei sogar wesentlich grösser sein als die Brennweite. Sie kommt
bei kurzbrennweitigen Objektiven für Spiegelreflexkamers zum Einsatz,
um Platz für den Spiegel zu lassen. Die bildraumseitige Hauptebene
des Objektivs liegt bei Retrofokuskonstruktionen hinter der eigentlichen
Optik.
Spiegelobjektive oder Spiegellinsenobjektive (Katadiopter) sind
Sonderformen der Teleobjektive, bei denen neben Linsen auch gewölbte
Spiegel zur Abbildung eingesetzt werden. Oberflächenverspiegelte Elemente
zeigen keinerlei chromatische Fehler, sodass eine gute Korrektur möglich
ist. Durch den Strahlengang - ein Hohlspiegel an der Rückseite des
Objektivs wirft das Licht auf einen kleinen Konvexspiegel in der Mitte
der Feldlinse, der wiederum das Licht durch ein Loch im Hauptspiegel in
die Kamera lenkt - sind Spiegelobjektive trotz langer Brennweiten ausserordentlich
kompakt. Eine Irisblende ist konstruktionsbedingt nicht möglich, sodass
die Schärfentiefe nicht gesteigert werden kann und zur Helligkeitsreduktion
Filter eingesetzt werden müssen. Ein weiterer Nachteil ist die ringförmige
Eintrittsöffnung, die ringförmige Zerstreuungskreise bedingt,
was ein unschönes Bokeh zur Folge hat.
Teleobjektive sind asymmetrisch aufgebaute Objektive, bei denen
hinter einem fokussierenden Sammelglied ein Streuglied geschaltet ist.
Der Vorteil ist die kurze Baulänge, die wesentlich kürzer ist
als die Brennweite; die Hauptebenen des Objektivs liegen vor der eigentlichen
Optik. Der Nachteil ist, dass die
Schärfedehnung
nach Scheimpflug nicht mehr ohne weiteres anwendbar ist, da das Objektiv
um die Mittelachse der bildraumseitigen Hauptebene geschwenkt werden muss.
Üblicherweise werden langbrennweitige Objektive für Kleinbild-
und Mittelformatkameras so konstruiert.
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| Spiegelobjektiv; Spiegel grau |
Telyt 4.5/200 mm |
Tele-Tessar 4/300 mm |
Weitwinkelobjektive sind Objektive, die einen grossen Bildwinkel
(über 55°) haben, also bei gegebener Brennweite einen grossen
Bildkreis auszeichnen. In der Regel werden sie rectilinear ausgeführt,
das heisst, dass die Verzeichnung minimiert ist. Die Ausnahme sind Fisheye-Objektive,
die stark tonnenförmig verzeichnen. Weitwinkelobjektive für Spiegelreflexkameras
müssen als Retrofokuskonstruktionen ausgeführt werden, um Platz
für den Spiegel zu lassen.
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| Angulon 6.8/65 mm |
Distagon 2.8/35 mm, eine Retrofokuskonstruktion |
F-Distagon 2.8/16 mm, ein Fisheye |
UV-Objektive sind für die sehr exotische UV-Fotografie konzipiert.
Da Glas nicht UV-durchlässig ist, kann nur das teure und zerbrechliche
Quarzglas sowie feuchtigkeitsempfindliches Calciumfluorid zur Konstruktion
eingesetzt werden. Diamant wäre noch besser geeignet, hat aber bisher
in den Objektivbau noch nicht Einzug gehalten. Photographische UV-Objektive
sind im Gegensatz zu Laser- oder Waferstepperobjektiven meist nicht für
bestimmte Wellenlängen optimiert, sondern bis weit in den sichtbaren
Bereich hinein korrigiert. Dies ermöglicht visuelles Scharfstellen.
Zoomobjektive sind Objektive, deren Brennweite in einem bestimmten
Bereich kontinuierlich verändert werden kann. Eine besondere Herausforderung
bei der Konstruktion liegt darin, dass sich während der Brennweitenänderung
die Bildlage nicht ändert, also nicht nachfokussiert werden muss.
Schematisch kann man die Konstruktion in einen fokussierenden Teil, der
natürlich letztendlich aus mehreren Linsen besteht, und ein afokales
System trennen. Das afokale System besteht in einem einfachen Aufbau aus
zwei Sammellinsen und einer Streulinse doppelter Stärke, die zwischen
den Sammellinsen angeordnet ist. Ein solches System kann kein Bild erzeugen,
hat aber je nach Lage der Streulinse eine variable Vergrösserung.
Vorgeschaltet vor die fokussierende Linsengruppe ändert sich somit
die Brennweite des Gesamtsystems, aber nicht die Bildlage, wenn die Streulinse
verschoben wird, wobei eine der Sammellinsen feststeht und das Vorder-
oder Hinterglied nichtlinear zur Streulinse bewegt wird. Dem Vorteil der
veränderlichen Brennweite steht ein hoher optischer und mechanischer
Konstruktionsaufwand entgegen, ausserdem sind Zoomobjektive anfällig
für Verzeichnung, da die Konstruktion stark asymmetrisch ist und die
Lage der Blende je nach eingestellter Brennweite variiert.
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| Zoom (schematisch) |
Reflexe,
Vergütung, Gegenlichtblenden | 
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